The Good German

Regie: Stephen Sonderbergh

© Warner Bros.

The Good German – ein zweites Casablanca?

Schauplatz von Stephen Sonderberghs Thriller „The Good German“ ist das Berlin der Nachkriegszeit.
Es ist Sommer 1945. Die Alliierten Siegermächte treffen sich in Potsdam, um über die weitere Entwicklung Nazideutschlands zu beraten.
Journalisten aus aller Welt sind nach Berlin gereist. So auch der amerikanische Journalist Jake Geismar. Als Fahrer wird ihm Patrick Trully zugewiesen.
Ein junger skrupelloser Mann, der mit den unterschiedlichen Besatzungsmächten Waren dealt. Die deutsche Jüdin Lena Brandt bietet Trully ihre sexuellen Dienste an. Alles in der Hoffnung, dass er ihr hilft, Berlin zu verlassen.
Jake und Lena, beide einst ein Liebespaar, begegnen sich wieder. Unterdessen kommt Trully unter ungeklärten Umständen in der russischen Besatzungszone ums Leben. Jake versucht Lena zurück zu gewinnen. Dabei gerät er in einen feindlichen und lebensgefährlichen Komplott der Besatzungsmächte. Lenas berechnendes geheimnisvolles Spiel offenbart sich für Jake erst zum Schluss.

Nazideutschland besiegt und in Trümmern. Steven Sonderbergh greift mit „The Good German“ die sich stellenden politischen und moralischen Fragen der Nazizeit und danach in Form eines Thrillers auf. In seinem Spielfilm bedient er sich dokumentarischer Bilder der zerstörten und in Trümmer liegenden Stadt Berlin. Durch die Schwarz-Weiß Darstellung und durch die szenischen Zeitdokumente fängt er die Atmosphäre des Nachkriegsberlins sehr gut ein. Der Lichtkegel, der sich immer mehr auf Lena verengt, lässt letztlich die historischen Fakten aber immer mehr in den Hintergrund wandern. Auf der Strecke bleibt das grausame historische Schicksal der durch die Vernichtungspolitik der Nazis ums Leben gekommenen jüdischen Bevölkerung sowie anderer massenhafter Kriegsopfer. Natürlich weist Sonderbergh zu Recht darauf hin, dass es nicht nur „schlechte Deutsche“ gab. Aber muss er deswegen den von Lena versteckten und an einer Vernichtungsmaschinerie beteiligten Täter gleich zum Opfer des alliierten Besatzungssystems stilisieren? Die jüdischen Opfer bleiben dadurch auf der Strecke. Auch die Erwähnung der Jagd auf die im Untergrund noch überlebenden Juden Berlins durch so genannte „ jüdische Greifer“ kommt zu kurz und reicht für das Verstehen nicht aus. Die treibenden Kräfte für solch ein amoralisches Verhalten und die katastrophalen Lebensumstände der „jüdischen Greifer“ werden nicht thematisiert. Der Zuschauer gewinnt eher den Eindruck eines eigennützigen Selbsterhaltungstriebs, der jedwede Moral hinten anstellt. Ein durchaus verzerrter Blick auf die Situation von Menschen in Zeiten der Vernichtung und Verfolgung.
Das Ende des Films erinnert stark an Casablanca. Doch ohne die schauspielerische Leistung von George Clooney und Cate Blanchett zu schmälern. Jakob Geismar und Lena Brandt sind nicht Rick Blaine und Ilsa Lundt und „The good German“ ist nicht „Casablanca“.

© Soraya Levin