Trans Amerika

Tom McNab

© Aufbau Verlag

Auf nach Los Angeles zum Ultramarathon heißt es 1931 für Tausende aus aller Welt in Tom McNab’s Roman Trans Amerika. „Es sind Sportler – und es sind Spieler“, die in diesen harten Zeiten der Weltwirtschaftskrise, der Massenarbeitslosigkeit und um sich greifender Armut ihr Glück bei einem der wohl außergewöhnlichsten Wettkämpfe der Superlative versuchen, dem Trans-American-Lauf.

Ein von Charles Flanagan organisierter Wettlauf über 5000 km quer durch die USA, von Los Angeles an der Westküste bis zur Ostküste nach New York. Es ist eine bunte Läuferschar, die nicht nur das Lauffieber sondern überwiegend die Hoffnung auf schnelles Geld nach L.A. gelockt hat. Einer kommt aus der grauen Industriestadt Glasgow, arbeitet hart unter Tage und ist arm. Es ist Hugh McPhail, der Kurzstreckenläufer. Ein anderer, Martinez aus Mexiko, ist die letzte große Hoffnung der vom Hungertod bedrohten Bewohner seines Heimatdorfes. Und einer schlug beim Boxen einen tot und ist auf der Flucht. Es ist der Gewerkschafter Mike Morgan, der nun vom FBI verfolgt wird. Wieder ein anderer kommt aus Montgomery, er ist ein echter Fuchs. Der drahtige und taktisch kluge 54-jährige Laufprofi Doc Cole. Dann ist da noch ein Adliger und eine Mannschaft aus Nazideutschland, die beweisen will, dass die arische Rasse allen anderen auch körperlich überlegen ist. Ach ja, und sogar eine ehemalige Tänzerin namens Kate läuft mit.

Es ist nicht nur ein Laufduell gegen die anderen, sondern auch gegen sich selbst. Hinter sich Los Angeles und vor sich die Mojawewüste, in der nicht nur der Himmel glüht sondern auch die Körper der Läufer. Untrainiert und ohne sportliche Ausrüstung geben die meisten schon nach der ersten Etappe auf. „Wie gestrandetes Treibgut“ prusten sie, ringen sie nach Luft, können sich nicht mehr bewegen, spüren nur noch den höllischen Schmerz ihrer sich krampfartig windenden Muskeln und ihrer blutgetränkten Blasen. Die, die noch Ausdauer haben, gönnen sich keine Verschnaufpause. Frenetisch von den Zuschauern bejubelt und gefeiert, laufen sie wie im Rausch durch die eisigen Rockies, durch Al Capones Chigagoe immer weiter auf ihr Ziel zu. Nichts scheint sie stoppen zu können, keine Naturgewalt, keine Gangsterbosse, keine politischen Erpressungen und noch nicht mal ein Mord.

Fazit:

In diesem Roman verdient nicht nur der Wettkampfinitiator Flanagan und die Läufer an einem der größten spektakulärsten Läufe; Nein, dieser Roman selbst verdient es gelesen zu werden. Denn Tom McNab’s Trans Amerika ist eine wahre Glanzleistung der Unterhaltung. Allein schon der Gedanke einmal quer durch die USA, von L.A. nach New York zu laufen, scheint recht verrückt zu sein. Und das Tausende aus aller Welt sich dennoch wie im Fieberrausch auf den Weg machen, und das 1931 zur Zeit der Weltwirtschaftskrise zeigt, dass gerade in mutlosen Zeiten faszinierende Herausforderungen Mut machen. Die Läufer haben Symbolcharakter und McNabs Figuren wachsen einem ans Herz. Ein munteres Laufabenteuer voller Spannung, Dramatik und gelebter Leidenschaft.

Tom McNab, Trans-Amerika
, Roman, Die Originalausgabe unter dem Titel Flanagan’s Run erschien 1982 bei Hodder and Stoughton Ltd., London, Sydney, Auckland, Toronto, Aus dem Englischen von Verena von Koskull, 551 Seiten, gebunden, Aufbau Verlagsgruppe GmbH, Berlin 2008, ISBN 978-3-351-03242-5, € 22,95 / SFR 44,00

© Soraya Levin