Frühstück bei Tiffany

Truman Capote

© Kein & Aber

Der 1958 veröffentlichte Roman „Frühstück bei Tiffany“ des amerikanischen Erfolgsautors Truman Capote ist vor allem durch die Verfilmung mit Audrey Hepburn bekannt.

Die Geschichte beginnt mit der Erinnerung des Erzählers an das rote Sandsteinhaus in der Upper East Side und an Wohnung Nr. 2. Die Wohnung von Holly Golightly. Am Anfang besteht das Bild von Holly nur aus einer im Briefkasten steckenden Visitenkarte mit der Aufschrift „Miss Holiday Golightly, auf Reisen“. Eines Nachts ist es im Hausflur ziemlich laut. Holly, wie üblich in Begleitung eines Mannes, hat mal wieder bei Mr. Yunioshi geklingelt. Wie immer, hat sie ihre Schlüssel vergessen. Mit viel Charme beruhigt sie ihren wütenden Nachbarn. Statt Mr. Yunioshi reißt sie von nun an den Erzähler aus dem Schlaf. Sie ist jung, zart und elegant. Sie macht, was ihr gerade in den Sinn kommt und sie flirtet gern mit reichen älteren Männern, von denen sie sich aushalten lässt. Eines Abends flieht sie leicht bekleidet über die Feuertreppe aus den Fängen eines stark alkoholisierten Liebhabers zu unserem Erzähler. Der Beginn einer platonischen Liebe. Sie feiert ausschweifend und unerschöpflich Feste und Partys. Aber sie lässt sich auch treiben und ist verträumt. Sie ist ein junges Mädchen, wenn sie ihre Haare in der Sonne trocknen lässt, wenn sie auf der Gitarre Musicalsongs spielt, wenn sie sehnsüchtig und liebevoll von ihrem Bruder Fred spricht und sie ist bei all dem aber auch eine junge Frau, die aus der Langenweile des Alltags flüchtet, die verführerisch ist, die sexuelle Begierden weckt, bewundert und gleichzeitig verachtet wird. Sie lebt ihre Fantasien aus und wird doch von einem tiefen inneren Gefühl der Angst begleitet. Einzig Tiffany gibt ihr Ruhe und Sicherheit. Tiffany, der Ort, der sie vor der Wirklichkeit beschützt, wo alles in sich schlüssig ist. Erst wenn sie solch einen Ort findet, wird sie ihrem Kater einen Namen geben, ihre Koffer auspacken und sich Möbel kaufen.
Sie möchte frei sein, doch ist sie nicht sie selbst. Eines Tages taucht ihr Mann Doc Golightly auf. Seit fünf Jahren sucht er Lulamae Barnes, alias Holly Golightly. Doch Holly wendet sich dem brasilianischen José zu. Sie verändert ihren Lebensstil, wird schwanger und verliert ihr Kind bei einer Festnahme. Sie steht unter Verdacht, mit dem Mafiosi Sally Tomato krumme Geschäfte gemacht zu haben. Als sie auf Kaution frei ist, verlässt sie New York. Unser Erzähler vermisst sie seitdem, denn er wollte ihr noch soviel sagen.

Der Ich-Erzähler, wie der Autor am 30. September geboren, wie der Autor auch Schriftsteller und in New York lebend, erzählt auf muntere Art und mit sehr viel Charme die Geschichte der jungen exzentrischen Holly Golightly alias Lulamae Barnes. Sie ist adrett, elegant und lebhaft und hat einen ausschweifenden Lebensstil, feiert Partys, flirtet mit älteren Männern, lässt sich aushalten, gibt sich der sexuellen Begierde hin, ist gleichzeitig aber verträumt und sinnlich. Sie wirkt faszinierend und meistert ihr Leben scheinbar mit spielerischer Leichtigkeit. Doch tief in ihr ist sie das verängstigte Mädchen, das versucht, sich selbst zu finden und mit sich umzugehen, das einen Ort der Zuflucht und der Sicherheit sucht. Einen Ort wie Tiffany. Eine überaus amüsante und sinnliche Erzählung. Die Holly, die so gar nicht den gesellschaftlichen Vorstellungen entspricht, ist einfach zauberhaft und liebenswert. Frühstück bei Tiffany ist pikant, süß und würzig.

Frühstück bei Tiffany, Truman Capote, Roman, Vierter Band der Werkausgabe, aus dem Amerikanischen neu übersetzt von Heide Zerning, die Originalausgabe erschien 1958 unter dem Titel „Breakfast at Tiffany’s“ bei Random House, Inc., New York, Kein & Aber, Zürich 2006 , € 16,90, SFr. 29,80, 120 Seiten, ISBN 13: 978-3-0369-5159-1 und ISBN 10: 3-0369-5159-8

© Soraya Levin