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Die Habenichtse

Katharina Hacker

Für „die Habenichtse“ ist die in Berlin lebende Autorin Katharina Hacker im Jahr 2006 mit dem deutschen Buchpreis ausgezeichnet worden.

Ausgangspunkt der Handlung ist Berlin. Zwei tief einschneidende Ereignisse verändern das Leben des jungen Anwalts Jakob. Es ist der 11.09.2001. Nach 10 Jahren begegnet Jakob seiner Jugendliebe Isabell wieder, die er bald darauf heiratet. Durch den verhängnisvollen Tod eines Kollegen beim Attentat auf das World Trade Center wird in London in der Kanzlei Bentham eine Stelle frei. Jakob und Isabell ziehen nach London in die Lady Margaret Road Nr. 49. Ihre anfänglich leidenschaftliche Empfindung füreinander weicht mit der Zeit einer Leere, die beginnt, ihr Leben auszuhöhlen. Jakob flüchtet sich in seine Arbeit und Isabell durchstreift zu Fuß London und sehnt sich zurück nach Berlin. Ihre unmittelbare Nachbarschaft ist von einem katastrophalen sozialen Milieu geprägt. Arbeitslosigkeit, Alkohol und Kindesmisshandlung in der Nr. 47. Dort leidet die kleine Sara physisch und psychisch an den Misshandlungen durch ihren oft alkoholisierten und arbeitslosen Vater. Auch ihr älterer Bruder Dave kann es nicht verhindern, dass Sara emotional immer verstörter und verwundbarer wird.
In der gleichen Strasse lebt auch vorübergehend der Kriminelle und Drogendealer Jim, der auf der Suche nach seiner drogenabhängigen Freundin May ist. Jim ist ein junger gut aussehender Mann, dessen Traum es ist, sich aus dem sozialen Sumpf zu befreien und ein ganz normales bürgerliches Leben mit May zu führen. Kalt, zynisch und spöttisch tritt er Isabell gegenüber. Sie fühlt sich jedoch von seiner Männlichkeit erotisch angezogen.

Katharina Hacker polarisiert mit „die Habenichtse“ unterschiedliche Lebenswelten, die klangmäßig gut von Inga Busch erzählt werden. Im Kontext immer das politische Ereignis des 11.09.2001, dass auf das Lebensschicksal von Isabell und Jakob wirkt.
Eine bewegende und detailgetreue Darstellung der Umgebung und des sozial sumpfigen Milieus, das nicht nur in London sondern überall auf der Welt sein könnte und einfühlende szenische Ausmalungen der Nebenfiguren. Die beiden Hauptcharaktere Isabell und Jakob kommen aber zu kurz und treten in den Schatten der Nebenfiguren. Bei Sara und Jim fällt der Blick in die charakterliche Tiefe, bei den Hauptfiguren weiß man nicht genau, welchen Sinn sie ihrem Leben eigentlich abgewinnen wollen.
Am Anfang ist die multiperspektivische Erzählweise hinderlich. Die unterschiedlichen Handlungsstränge verwirren und machen es schwer, zu erkennen, worum es eigentlich geht.
Erst mit dem Umzug nach London wird die Handlung deutlich. Der Blick auf die unterschiedlichen Lebenswelten ist ab diesem Moment sehr gut gelungen.
Die Habenichtse zeigt die Banalität des Alltags, die das Glück der eigenen Realität verblassen lässt. Eine Realität, die gesteuert wird, durch die politischen Ereignisse und die zum Schluss einer Leere des Lebens weicht. Menschen, deren Sozialmilieu durch tiefe Gräben getrennt ist aber deren Empfinden kein noch so tiefer Graben trennt.

Die Habenichtse, Katharina Hacker, Lesung mit Inga Busch, 4 Audio CDs, 306 Min., Audio Verlag 2006, ISBN 3-89813-638-8, € 24,99

© Soraya Levin

Abbildung: © Audio Verlag -

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