Justizia's Auge

Justizia's Auge

Einst begrüßte ich einen Mann in der Taverne,
ich kannte ihn bisher nur aus der Ferne;
er war sehr klein und hager,
man könnte sagen beinah mager;
das Haar schon licht und kahl
auf der Stirn trug er ein Mal;
sein Gang war schleppend und schwer,
er zog das Bein nach und bemühte sich sehr;
zur Begrüßung gab er mir die linke Hand,
die Rechte, sie war irgendwo in einem fernen Land;
sein linkes Auge, das war nicht mehr da,
er nahm die Welt gar nicht mehr so richtig wahr;
er konnte kaum essen und kauen,
denn man hatte ihm die Zähne ausgehauen;
er wurde rasiert und tätowiert,
wann ist es bloß passiert?

Ob Tag oder Nacht, es war dunkel um ihn herum,
die Folter, sie machte ihn ganz dumm;
er schrie nach seiner Mutter, doch die war schon lange tot,
die Augen, sie waren von den Tränen blind und ganz rot;
ein Gericht wollte später von all dem nichts mehr hören,
diese Zeit sie ist vorbei und den Frieden, den wollen wir nun nicht mehr
mit diesen Dingen stören.

© Soraya Levin